Dr. Helmut Marko: Steiermärkisches Urgestein

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Differenzen des nur anfänglich vom thailändischen Red-Bull-Mehrheitsanteilseigner Chalerm Yoovidhya gestützten Team-Managers Christian Horner mit Dr. Helmut Marko und dem ihm treu verbundenen Max Verstappen endeten damit, dass Marko seinen noch drei Jahre geltenden Vertrag mit Red Bull erfüllen kann. Doch nicht dem RB-Sportdirektor sollen diese Zeilen gewidmet sein, sondern dem Rennfahrer Marko. Dem am 27. April 1943 geborenen Grazer Juristen winkte nach seinem Le Mans-Sieg 1971 eine große Rennfahrer-Karriere. Doch beim GP von Frankreich 1972 durchschlug ein aufgewirbelter Stein das Helmvisier und zertrümmerte sein linkes Auge.


Gerade zwölf Lenze alt, lernte Helmut Marko den ein Jahr älteren Jochen Rindt kennen und machte mit diesem Fahrrad-Wettfahrten, die sich dann mit Mopeds fortsetzten. Natürlich „off road“, verbunden mit einigen Stürzen. Auch Markos elterlicher Wagen wurde ausprobiert – ohne Führerschein und unter Hinterlassen von diversen Beulen. Rindt flog von der gemeinsamen Schulbank im Pestalozzi-Gymnasium, doch traf man sich später in einem Bad Ausseer Internat wieder. Vollwaise Rindt – seine Eltern waren 1943 bei einem Bombenangriff auf Hamburg ums Leben gekommen – wohnte bei den Großeltern in Graz. Als sich Rindt einen Tag vor der Führerschein-Prüfung beim Abfafahrtslauf den Fuß brach, schickte die Gewürzmühle „Klein & Rindt“ seiner Geburtsstadt Mainz einen VW-Käfer samt Chauffeur nach Bad Aussee. Rindt:„Der fuhr wie eine Oma. Ich schickte ihn nach Mainz zurück, behielt aber den Käfer hier unten. Den konnte ich selbst mit meiner Gräte in Gips bewegen. Fortan diente der VW unglaublichen Eskapaden auf vier Rädern, bei denen die jeweiligen Beifahrer, das Können des Mannes am Lenker zu beurteilen hatten. In einem nächtlichen Straßen-Rennen zwischen Rindt mit dem Simca seiner Großeltern und Marko im Chevrolet seiner Familie, zog Marko den Kürzeren. Um einem entgegenkommenden Lastkraftwa-gen auszuweichen, reagierte er zu heftig am Lenkrad. Der Ami-Schlitten überschlug sich und landete in der Mur. Dem Drang nach echten motorsportlichen Wettbewerben, tat dieses Missgeschick keinen Abbruch.

Dr. Helmut Marko wurde mit Haken und Ösen Zweiter

Bei der „steirischen Berglandfahrt“ trat Rindt mit dem Simca und Marko mit einer gepumpten 250er Puch an. Mit diesem Gerät erlaubte sich Marko derartige Schrägla-gen, dass der Auspuff abriss. Während Jo-chen Rindt mit einem Conrero-Alfa Romeo Giulietta TI die Berg-Pisten fast professionell anging und mehrfach siegte, erlaubte Helmut Markos Jura-Studium 1966 nur gelegentliche Einsätze mit einem Triumph Spitfi re Cabrio – gut für Siege in einer schwach besetzten Klasse, mehr aber auch nicht. In den letzten Studien-Tagen mehrte sich der Wille, auf der Rundstrecke zu reüssieren. Ein Formel Vau samt Service für ein Jahr musste her. Welch` ein Auftakt: bei seinem ersten Formel-Vau-Einsatz im April 1967 auf der Flugplatz-Piste von Wien-Aspern belegte Marko hinter Dieter Quester und vor dem damaligen Formel-Vau- Star Günther Huber den zweiten Platz – freilich mit Haken und Ösen! Seine konsequente Fahrweise führte zu einem Platz im Team von Kurt Berg-mann und bescherte ihm Siege in Monaco und auf dem Nürburgring. Zusammen mit Gerold Pankl erstand er einen Porsche 906 Carrera, mit dem 1968 ein Klassensieg beim 500-km-Rennen in Zeltweg gefeiert werden konnte. Als PR- und Verkaufsmanager trat Marko in die Dienste von Mc Namara ein, immer mit dem Hintergedanken, diesen Job mit der Rennerei verbinden zu können.

Rundstrecken-Karriere-Start 1967 in der Formel Vau Dr Helmut Marko
Rundstrecken-Karriere-Start 1967 in der Formel Vau
Dr Helmut Marko Viel Frust mit einem Lola in der Formel 2
Viel Frust mit einem Lola in der Formel 2

Marko: Mit dem Martini-Team auf der Erfolgsspur

1969 holte er sich in einem Porsche 910 von Richard Gerin einen Klassensieg beim 1000-km-Rennen auf dem Österreichring. Einsätze mit den Formel-3-Wagen von McNamara brachten die Erkenntnis: „Man konnte damit schnell sein, bis sie einem unter dem Arsch wegbrachen!“ Immerhin war Udo Schütz aus Selters auf den jungen Dok-tor ohne Ausübung seiner juristischen Tätigkeit aufmerksam geworden und bot ihm für 1970 einen Platz im Martini-Team an. Zwar Trainingsschnellster in Spa-Francorchamps, fehlte Marko noch genügend Langstrecken-Kondition: nur Platz elf. Fünfter auf dem Nürburgring und Dritter in Le Mans: Marko mauserte sich zum Langstrecken-Pi-loten. Jene Saison beschloss er als Siebter in Watkins Glen. Ein gemeinsames Formel-2-Projekt mit Jochen Rindt mit Marko und Emerson Fittipaldi als Fahrer zerschlug sich durch Jochens Monza-Unfall. So erfolgreich er 1971 auf der Langstrecke war, so frustrierend verliefen sein Formel-2-Rennen mit einem Lola. Den Sieg des Martini-Teams von Vic Elford und Gérard Larrousse mit einem Porsche 908/3 beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring 1971 ergänzte der dritte Platz von Helmut Marko und Gijs van Lennep. Der favorisierte Ferrari 312BP von Jacky Ickx und Clay Regazzoni war in der 21. Runde mit Motorschaden ausgefallen. So auch der Alfa Romeo T 33-3 von Rolf Stommelen. Porsches Marsch-Richtung für die drei 917er von J. W. Wyer Automotive Engineering Ltd. und das Martini International Racing Team in Le Mans lautete: „Kommt Euch nicht in die Quere und fahrt auf Ankommen, notfalls geht mit dem Fuß vom Gas.“ Marko:„Mag ja eine gute Idee sein, aber ich werde bestimmt nicht derjenige sein, der sein Fuß vom Gas nimmt!“ Gesagt, getan: Mit einem Schnitt von 222,304 km/h legte der 917 KH von Dr. Helmut Marko und dem niederländischen Freiherrn Gijs van Lennep 5335,313 Kilometer zurück – ein Rekord, der bis 2010 hielt. Aber auch der Wyer-Porsche von Richard Atwood und Herbert Müller hatte eine schnelle Gangart bevorzugt und kam auf 5308,348 Kilometer – 486,258 mehr als der bestplatzierte Ferrari 512M des North American Racing Teams mit Posey/Adamowicz.

Dr. Helmut Marko kam zu BRM, ohne einen Groschen bezahlt zu haben

Seinen ersten Grand Prix bestritt Mar-ko beim GP von Österreich 1971 in einem BRM P153 und wurde Elfter. In Monza trat Yardley-BRM mit drei P160 für Peter Gethin, Howden Ganley und Jo Siffert an. Helmut Marko musste sich mit dem Vorjahres P153 bescheiden. Immerhin stand er neben Ge-thin in der sechsten Reihe. Gethin gewann hauchdünn vor Ronnie Peterson, Francois Cevert, Mike Hailwood und Howden Gan-ley. Alle innerhalb einer Sekunde! Helmut Marko war bereits in der dritten Runde mit einem Elektrik-Defekt ausgeschieden. Nomi-niert für das Marlboro-BRM-Sechstett 1972 waren Jean-Pierre Beltoise, Peter Gethin und Howden Ganley als A-Team und Helmut Marko, Alex Soler-Roig und Gijs van Lennep als B-Truppe. Letztere musste einen nicht unbeträchtlichen Obolus entrichten. Der un-ter „Team Marlboro-BRM-Austria“ bei der Presse-Konferenz in Le Catellet vorgestellte

Mit Alfa Romeo und Ferrari in der Marken-WM

Neben der Formel 1 trat Marko zusammen mit Vic Elford für Alfa Romeo in der Mar-ken-WM an. Herausragende Platzierungen: Dritte in Daytona und später auf dem Nürburgring sowie ein zweiter Platz bei der Targa Florio. Für das 1000-km-Rennen auf dem Österreichring musste Ferrari auf Clay Regazzoni verzichten. Bei einem Fußball-Match mit Mechanikern und Schlachten-bummlern am Mittwoch vor dem Rennen hatte sich der Tessiner die Hand derart ver-knackst, dass ein Gipsarm angelegt werden musste. Da Dieter Quester, der mit Marko

Ferrari-Gastspiel 1972 auf dem Österreichring: Zweiter beim 1000 km-Rennen
Dr Helmzt Marko im Martini-Porsche 908/3 Dritter bei den 1000 km Nürburgring 1971
Im Martini-Porsche 908/3 Dritter bei den 1000 km Nürburgring 1971

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Fotos: Wolfgang Wilhelm (Farbe), Jochen von Osterroth