SOLITUDE REVIVAL 2022 – verdammt lang her…

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dass -SOLITUDE REVIVAL 2022 – im Sommer 1922 erstmalig eine Bergprüfungsfahrt für Automobile auf einer Rennstrecke nahe dem Schloss Solitude bei Stuttgart stattgefunden hat, denkt sicher der Historiker unter den zahlreichen Gästen.


Den meisten Teilnehmern aber dürfte es auch „verdammt lang her..“ vorgekommen sein, dass auf diesem zwischenzeitlich mehrfach geänderten anspruchsvollen Kurs einige hundert Motorräder und Sport-wagen Gummi auf den Asphalt brannten. Lange drei Jahre ist es her, dass hier das Solitude Revival letztmalig stattfand. Es muss den Sammlern und Fahrern historischer Fahrzeuge etwas gefehlt haben, denn das Echo auf die Ausschreibung des diesjährigen SOLITUDE REVIVAL 2022 war riesig. Die alte Solitude-Rennstrecke, eine der wenigen aus der legendären Ära des Motorsports übrig-gebliebenen natürlichen Rennkurse ist eben nicht alle Tage fürs schnelle Autofahren freigegeben.

SOLITUDE-REVIVAL-2022-curbs-historischer-motorsport-magazin-Original-F3-von-Michael-Schumacher-Team-WTS
Original F3 von Michael Schumacher Team WTS
SOLITUDE-REVIVAL-2022-curbs-historischer-motorsport-magazin-Riley-Big-Four-1939-gefolgt-von-Delahaye-107-1927
Riley Big Four 1939 gefolgt von Delahaye 107 1927

Immer wieder muss die Organisation der Veranstaltung, ein Club von Enthusiasten, leidenschaftlich dafür kämpfen, dass hier Erinnerungen wiederbelebt werden und Tau-sende, Zuschauer und Teilnehmer, ein Wochenende mit Legenden des Motorsports zwischen ausgesuchten Klassikern der Renn- und Sportwagen erleben können. In dem einen oder anderen Paddock hat Corona leichte Bremsspuren hinterlassen, die den Erfolg der Veranstaltung nicht verhinderten. In diesem Jahr glühte nicht nur der Asphalt – bei Temperaturen von über 30° C wurde so mancher Kühler im Vorstartinkontinent. Erst auf dem über weite Strecken durch schattigen Wald führenden Kurs er-reichten Maschinen und Piloten wieder ihre normalen Betriebstemperaturen
Zweifellos genießen die Fahrer die „Demo Läufe“ in ihren Rennwagen, die zur „Goldenen Ära“ der Rennen auf der Solitude gehören: Hier donnern F1-und F2-Wagen, GT und Sportwagen aus den 50er- und 60er-Jahren durch die Linkskurve am Glemseck, den alten Bosch-Zielturm hinter sich lassend, die kurvige Strecke hinauf zum 120 m höher gelegenen Frauenkreuz (15% Steigung!). Die anschließenden Abschnitte über die Kurven Dreispitz und Schatten ge-hören zu den schnellsten Passagen der Strecke. Mehrere Schikanen bremsen hier die Fahrzeuge ein. Der Rundkurs wird geschlos-sen durch eine herrlich spannende Strecke durch das landschaftlich wunderschöne Mahdental. Das ist der Abschnitt, in dem man den Auspuff unter sich nicht mehr hört und das Gefühl hat, durch das Tal zu glei-ten. Erst kurz vor dem Zielturm, in Annäherung an die Tribünen mit den begeisterten Zuschauern hat einen die Realität wieder eingeholt: 11,3 Kilometer Legendenbildung liegen hinter einem: Dan Gurney, Jim Clark und Jo Bonnier erreichten allerdings auf den Hochgeschwindigkeitsteilen der Strecke gut 250 km/h; heute limitiert der Veranstalter die Geschwindigkeit in diesen Abschnitten auf 180 km/h – zügig genug für einen De-molauf! cke und Ambiente. Die Zuschauer streifen ohne die sonst so klinische Distanz mo-derner Motorsportveranstaltungen durch die verschiedenen Fahrerlager, verweilen vor einem ikonischen Porsche 917-30 oder dem sehr seltenen Nomad MKI, ehe sie sich vielleicht dem Ferrari 512M zuwenden. Stark vertreten war auch die Fraktion der Vorkriegsrennwagen: der bullige Mercedes SSKL zog die Blicke ebenso an wie die Bugatti T35 oder die reinrassigen und extrem schnellen Rennwagen vom Typ Maserati 6CM. Überraschend zahlreich vertretenen waren die Hubraumriesen der CanAm-Serie; alle Sechs haben ihre Garagen in Deutschland!

SOLITUDE-REVIVAL-2022-curbs-historischer-motorsport-magazin-Ferrari-512-M-von-1971-gefolgt-von-McLaren-M1B-aus-1966-und-Shelby-Daytona-Coupé
Ferrari 512 M von 1971 gefolgt von McLaren M1B aus 1966 und Shelby Daytona Coupé
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Günther Irmscher und Joachim Winkelhock im EX Irmscher Commodore B -GS E von Walter Röhrl und Jochen Berger

Die Resultate vom SOLITUDE REVIVAL 2022

Gut, die Startfelder wurden auch durch VW Karmann Ghia und Honda S800 aufgefüllt, die vielleicht dem einen oder anderen Zuschauer wohlige Erinnerungen an die Jugend hervorriefen. Gänsehautgefühl entstand bei den Besuchern sicher eher wenn sie den zahlreichen Legenden früherer Motorsportveranstaltungen unmittelbar gegenüber zu stehen: Walter Röhrl, Marc Lieb, Timo Bernhard, Christian Geistdörfer, Prinz Leopold von Bayern u.a. waren gekommen, um ihren Fans nah zu sein und wieder ein-mal die besondere Atmosphäre des Mythos SOLITUDE REVIVAL 2022 entspannt zu genießen.
Das Motto der Veranstalter: „Von Enthusiasten – Für Enthusiasten“ ist zutreffend und zahlt sich aus! Aufregende Autos, inte-ressante Teilnehmer, interessierte Zuschauer und die zahlreichen „No winner – Rennen“, eingebettet in eine charmante Atmosphäre, die auch von den hunderten stets freundlichen Helfern geprägt wird, sind die Attraktionen für alle Beteiligten.

SOLITUDE-REVIVAL-2022-curbs-historischer-motorsport-magazin-Marc-Lieb-im-Porsche-F1-804-aus-1962
Marc Lieb im Porsche F1 804 aus 1962
SOLITUDE-REVIVAL-2022-curbs-historischer-motorsport-magazin-Riccardo-Beccarelli-hat-die-Karosse-seine-Dala-haye-107-nicht-während-der-Fahrt-verloren
Riccardo Beccarelli hat die Karosse seine Dala-haye 107 nicht während der Fahrt verloren

Schade, man muss wieder zwei Jahre warten bis zum Solitude Revival 2024 – aber das Warten lohnt sich!

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Klaus Teching, Jürgen Gadke, Archiv Porsche AG